Galerie Gugging

global art brut

07/11/2013 - 11/05/2014

Im Rahmen der Ausstellungsreihe “global art brut” präsentiert die galerie gugging einen Einblick in das Schaffen internationaler Künstler, die weitgehend fernab des etablierten Kunstzirkus agieren. Jean Dubuffet hat 1945 den Begriff Art Brut für diese “unverbildete, rohe” Kunst von Menschen am Rand der Gesellschaft geprägt.

Der erste Teil des neuen Formats stellt Gugginger Kunst in den Kontext mit Art Brut aus Europa und den USA. Gezeigt werden Arbeiten von 16 Künstlern, die aufgrund ihrer Schöpfungskraft, Originalität und Phantasie begeistern.

Friedrich Schröder-Sonnenstern entführt uns in seine lasterhafte „Mondwelt“, die als Analogie zu unserem Planeten verstanden werden kann. Seine sinnlichen Zeichnungen sind geprägt von Gegensätzlichkeit wie Gut-Böse, Anziehung-Abstoßung, Herrschen-Beherrscht-Sein. Im Kontrast dazu stehen die dynamischen und farbenfrohen Bilder der Schweizerin Ida Buchmann, die häufig von der Liebe handeln. Auch Johann Hauser beschäftigte sich mit dem “Eros”: seine expressiven Zeichnungen von Frauen mit übersteigerten Geschlechtsmerkmalen verblüffen ob ihrer Direktheit. Ein zweiter Künstler, der sich überwiegend mit dem weiblichen Geschlecht auseinandersetzte, ist der Tscheche Miroslav Tichý. Es ist Motiv seiner Zeichnungen und poetischen Fotografien, die er heimlich aus selbst konstruierten Kameras aus Abfall schuf. Henry Darger erzählt in seinem 15.000 Seiten umfassenden, illustrierten Epos “In the Realms of the Unreal” von den Abenteuern der sieben “Vivian Girls”. Es freut uns besonders, auch zwei seiner Werke in unserer Schau zeigen zu können. Ein weiterer Vertreter der amerikanischen Self-Taught Art ist Martín Ramírez. Der mexikanische Auswanderer ist für seine bizarren, ausschließlich aus Linien bestehenden abstrakten Landschaften bekannt, die er mit Erinnerungen aus seiner Vergangenheit wie Caballeros, Madonnen oder Zügen belebte. Die Linie spielt auch bei Gaston Chaissac eine bedeutende Rolle. In seinem Streben nach vollkommener Schlichtheit reduzierte er die Figuren auf breite Konturen und kräftig kolorierte, monochrome Flächen. Die Frauenbilder, Schlachtszenen und Portraits des Josef Wittlich präsentieren sich ebenfalls in poppiger Couleur. Durch die plakative Farbigkeit scheint er die Künstlichkeit seiner Vorlagen wie Werbung und Boulevardpresse zu thematisieren.

Ferner zeigen wir Arbeiten von Martha Grunenwaldt, Hans Krüsi, Nikifor, Bill Traylor, Oswald Tschirtner, August Walla und Carlo Zinelli.

Der Künstler Friedrich Schröder-Sonnenstern ist auf der von Massimiliano Gioni kuratierten Ausstellung “Der Enzyklopädische Palast” auf der diesjährigen Biennale von Venedig vertreten, wo auch Carlo Zinelli in der Sideshow “Il Palazzo di Everything” des Museum of Everything von Mai bis August zu sehen war.

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