Galerie Gugging

COMICS brut

02/06/2026 - 13/09/2026

VERNISSAGE: Dienstag, 2. Juni 2026, 19:00 Uhr
Ausstellungsdauer: 3. Juni bis 13. September 2026


Comics haben sich längst als eigenständige künstlerische Sprache etabliert – weit über ihren Ursprung als Unterhaltung hinaus. In ihrer Sommerausstellung zeigt die galerie gugging, wie eng diese Bildwelt mit der Art Brut verbunden ist: unmittelbar, individuell und von großer formaler Kraft. „comics brut“ versammelt Arbeiten von Basel Al-Bazzaz, Manuel Griebler, Hannes Lehner und dem zentralafrikanischen Künstler Didier Kassaï, der mit seinen Werken erstmals in Österreich zu sehen ist.

In einer Zeit, in der Comics zunehmend Einzug in die zeitgenössische Kunst halten, widmet sich die galerie gugging mit comics brut einer Schnittstelle, die aktueller kaum sein könnte: dem Dialog zwischen Comic und Art Brut.  Was auf den ersten Blick als unterschiedliche Bildwelten erscheint, erweist sich bei näherem Hinsehen als überraschend verwandt – in seiner unmittelbaren Ausdruckskraft, der seriellen Erzählweise und seiner eigenständigen formalen Sprache.

Art Brut und Comic – zwei verwandte Welten

comics brut zeigt zwei Kunstformen, die ursprünglich beide als Gegenbewegung zur etablierten Kunst entstanden sind. Allen vier ausgestellten Künstlern gemeinsam ist ihr autodidaktischer Zugang sowie das Arbeiten in Serien, in denen sich Motive wiederholen, verdichten und weiterentwickeln. Häufig steht eine zentrale Figur im Mittelpunkt, die – ähnlich wie im Comic – als Träger von Narration und Bedeutung fungiert. Gleichzeitig zeigen die Arbeiten, wie unterschiedlich sich diese Prinzipien ausformulieren können: zwischen Verdichtung und Reduktion, zwischen Erinnerung und Erfindung, zwischen persönlicher Bildwelt und popkultureller Referenz.

Comics sind weit mehr als Unterhaltung – sie öffnen uns für Neues und zeigen Dinge auf“, so Nina Katschnig, Direktorin der galerie gugging. „Mich interessiert dabei besonders, wie sich diese Bildwelten mit der Art Brut verbinden – dort, wo Ausdruck unmittelbar und unverstellt entsteht.“ Dass sich der Comic derzeit im Feld der zeitgenössischen Kunst neu positioniert, zeigt auch die aktuelle Ausstellung „KAWS. ART & COMIX“ der Albertina modern in Wien.

Vier Positionen – vier eigenständige Bildsprachen

Die Ausstellung comics brut versammelt Arbeiten von Didier Kassaï, Basel Al-Bazzaz, Manuel Griebler und Hannes Lehner – allesamt Künstler, deren Zugänge unterschiedlicher kaum sein könnten und die dennoch in ihrer Bildsprache überraschende Gemeinsamkeiten aufweisen.

Fixstarter für comics brut sind natürlich die detailreichen Zeichnungen des Gugginger Künstlers Manuel Griebler, der seit 2016 im Haus der Künstler lebt und arbeitet. In seinen Arbeiten tauchen Figuren aus bekannten Serien wie The Simpsons oder Futurama in einem dichten, nahezu obsessiven „Meer aus Köpfen“ auf. Popkulturelle Referenzen werden hier nicht einfach übernommen, sondern in Grieblers eigenständige, unverkennbare und komplexe Bildwelt überführt, die sich zwischen Erinnerung, Aneignung und Transformation bewegt.

Hannes Lehner, aktuell in den Werkstätten Im Werd tätig, nähert sich der Popkultur aus einer anderen Perspektive. Seine Arbeiten, inspiriert von Star Trek, entstehen frei aus der Erinnerung heraus – ohne Vorlage, ohne direkte Referenz. Die bekannten Bildwelten werden dabei neu gedacht, fragmentiert und in seine ganz persönliche visuelle Sprache übersetzt.

Vollendet wird unser künstlerisches Quartett durch Didier Kassaï und Basel Al-Bazzaz. Hier treten zwei künstlerische Positionen in Dialog, die trotz unterschiedlicher kultureller Kontexte eine erstaunliche Nähe entwickeln. Kassaï, 1974 in Sibut in der Zentralafrikanischen Republik geboren, lebt und arbeitet in Bangui. Seine Arbeiten, die gesellschaftliche Wirklichkeiten reflektieren, haben ihn weit über die Landesgrenzen hinaus bekannt gemacht. Im Rahmen dieser Ausstellung ist er erstmals in Österreich zu sehen. Al-Bazzaz wurde 1973 in Bagdad geboren und lebt seit 1990 in Österreich. Beide arbeiten mit bekleideten Tierfiguren, die menschliche Eigenschaften annehmen und als Träger von Geschichte, gesellschaftlichen Strukturen und kollektiver Identität fungieren. Während Kassaï diese Bildsprache nutzt, um soziale Realitäten in Zentralafrika sichtbar zu machen, entwickelt Al-Bazzaz eine eigene, formal reduzierte und zugleich elegante Interpretation dieses Motivs. In der Gegenüberstellung wird deutlich, wie ähnlich visuelle Strukturen entstehen können – über Kontinente hinweg und jenseits kultureller Grenzen. So entsteht ein spannungsreiches Zusammenspiel unterschiedlicher künstlerischer Positionen, das diese besondere Nähe auf eindrucksvolle Weise erfahrbar macht.

Wir laden Sie herzlich am 2. Juni 2026 um 19 Uhr zur Vernissage in die galerie gugging im Beisein von Basel Al-Bazzaz, Hannes Lehner, des Gugginger Künstlers Manuel Griebler und der Gugginger Künstler:innen ein. Die feierliche Eröffnung erfolgt durch Angela Stief, Direktorin der Albertina modern.

Nina Katschnig und das galerie gugging-Team

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